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2010 - Ein Jahr ohne Namen

Zweitausend Zehn – Zwanzig Zehn, wie soll man eigentlich das neue Jahr nennen? In den 90ern war es noch ziemlich eindeutig: Ein schönes Jahr Neunzehnhundertachtundneunzig oder schlicht Achtundneunzig, ein schöner Konsens, von niemandem angezweifelt. Auch die Dekaden waren klar eingeteilt: Die Diskojahre der 70er, die Hippies der 60er, die materialistischen 80er, alle Klischees sind hier genauso deutlich wie die Bezeichnung. Aber jetzt? Was waren jetzt die letzten Jahre? Die Null-Nuller? Die Zweitausender? Klingt doch alles irgendwie künstlich, unnatürlich, ungewohnt. Die Sendung „Akte“ ist da ein gutes Beispiel: „Akte Achtundneunzig“, ist lang aber klingt gut, aber „Akte Nulleins“? Oder „Akte Nullneun“? Plötzlich steht ist das gesamte Konzept der „Akte“ auf der Kippe – Einfach so weitermachen? Umbenennen? Die Redaktion entschloss sich wohl zum Status Quo – „wir ziehen das Konzept einfach durch, egal wie blöd es klingt“, könnte eigentlich auch das Motto der ganzen Dekade sein, also eigentlich symptomatisch.

Ist euch schon aufgefallen, dass es zwar die „goldenen 20er“ und die „miefigen 50er“ gibt, aber kein Mensch einen Namen für die Zeit von 1900 bis 1910 hat? Zehner? Neunzehnhunderter? Sagt kein Mensch! Und was war da eigentlich? Kaiser, Kolonien, die Endphase der Industrialisierung, eigentlich spricht man nicht wirklich viel über die Periode zwischen Jahrhundertwende und erstem Weltkrieg. Der Philosoph Heidegger war der Meinung, dass der Horizont des Menschen nur so weit geht, wie er ihn auch in Worte fassen kann, ergo: Was man nicht ausdrücken kann, kann man auch nicht denken. Spricht man deswegen nicht über die „10er“ oder die „Jahrhundertwendezeit“, weil es einfach ungewohnt und irgendwie dämlich klingt? Werden dann auch die letzten 10 Jahre einfach vergessen? Dabei ist ja eigentlich viel passiert: 11. September, Tsunamikatastrophe, die erste Frau wird Kanzler (oder Kanzlerin?). Deswegen sollte man eigentlich schnell einen passenden Namen finden, bevor diese ganzen Ereignisse aus dem Geschichtsbewusstsein verschwinden, weil keiner weiss wie er die Dekade nennen soll!

Der Namenstreit geht dabei quer durch die Parteien: In ihrer Neujahrsansprache sagt die Kanzlerin „Zweitausendzehn“, während Ex-Kanzler Schröder bereits vor 7 Jahren den Begriff „Zwanzig-Zehn“ prägte. Konservative „Zweitasender“ gegen progressive „Zehner“? Erkennt man die politische Gesinnung in Zukunft an der Bezeichnung des Jahres? Wäre also allein aus diesem Grund besser, schnell einen passenden Namen zu finden, bevor die letzten 10 Jahre genauso in Vergessenheit geraten, wie die glorreiche Dekade in der die Deutschen noch stolz ihre Pickelhauben getragen haben und immer Kaisserwetter war. Wenn nicht müssen wir wieder weitere 10 Jahre warten bis wir wieder in den 20ern sind. In dem Sinne - frohes neues Jahr und lasst euch was einfallen!
2.1.10 12:58
 


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